22. April 2026
Dieter Demmelmair
Mehr als nur ein Satz mit X!
Seifenblasen sind was Schönes – aber sie platzen halt auch sehr schnell. So wie in Ried jene große Blase, auf der noch vor dem Match irgendwas in Richtung „Der GAK kann heuer vielleicht sogar noch europäisch spielen“ stand.
Nun, nach der 2:1-Niederlage und den Ergebnissen der anderen Matches steht fest: Das wird es höchstens in der Sommervorbereitung spielen, falls ein ausländischer Gegner zur Verfügung steht.
In den allerersten Spielminuten plätscherte das Match noch vor sich hin und ließ den Blick des TV-Beobachters immer wieder auf die dutzenden Werbetafeln im Rieder Stadion schweifen. Gerade als erste Überlegungen angestrengt wurden, sich vielleicht ein zweites berufliches Standbein als Werbetafelerzeuger im Innviertel aufzubauen, ließ Ramiz Harakate durch zwei Doppelchancen (11. und 14.) kurz die Hoffnung aufleben, dass man am Ende der Partie aus roter Sicht jubeln könnte.
Dumm nur: Das Geschehen auf dem Spielfeld kippte immer mehr zu Ungunsten des GAK, obwohl doch die Rieder Fans lautstark alle Roten als Söhne von Gunstgewerblerinnen bezeichneten. Nur kurz danach und nachdem unsere Fans wiederum ihre Bewunderung für Borstentiere aus dem Innviertel ausdrückten, fiel die GAK-Abwehr in kollektiven Tiefschlaf. Ein langer Abschlag von Ried-Goalie Andreas Leitner wurde vom wirklich stark spielenden Ante Bajic an Franz Stolz vorbeigeschlenzt (28.).
Leider war das Schläfchen kein Powernapping – im Gegenteil. Ein wohl noch verschlafener Ludwig Vraa agierte vor dem eigenen Strafraum nachlässig, Bajic schnappte sich den Ball und legte auf Kingstone Mutandwa ab, der zum 2:0 traf (35.).
Zur Pause war klar: Eine massive Steigerung war nötig. Völlig unnötig dagegen waren die vier (!) gelben Karten in Halbzeit 1. Ferdinand Feldhofer wechselte zur Pause, Martin Kreuzriegler (für Vraa), Dominik Frieser für den erstmals von Beginn an eingesetzten Mukhran Bagrationi und Murat Satin (für Christian Lichtenberger) kamen neu ins Spiel, später bekamen sie Gesellschaft von Mark Grosse (62., für Alexander Hofleitner) und Tim Paumgartner (75., für Tobias Koch). Jacob Italiano war übrigens gar nicht dabei, er meldete sich am Matchtag krank.
Doch da kam nicht wirklich viel nach Wiederanpfiff, weiterhin landeten Bälle im Nichts, darum war es auch kein Wunder, dass auch das Tor für die Roten quasi aus dem Nichts kam – und dennoch Resultat einer tollen Kombination war. Drei der vier Neulinge waren daran beteiligt – Satin passte auf Harakate, der flankte auf Frieser, der wiederum hoch auf Grosse passte. Ausgerechnet der Ex-Rieder erzielte in Ried sein erstes Tor – und das auch noch per Kopf (67.).
Freilich: Der ganz große Sturmlauf blieb aus, irgendwie war da nicht nur ein Wurm drin. Und deswegen blieb es auch beim Rieder Sieg, der gegen Ende noch höher ausfallen hätte können. Fazit nach dem Schlusspfiff: Das war nicht ein Satz mit X, es war diesmal ein ganzes Essay voll solcher Sätze. Autoren von Mystery-Serien könnte dieses Spiel durchaus als Inspirationsquelle dienen – da passierte nämlich viel Unerklärliches …
Nun ist plötzlich wieder Zittern angesagt, wir sind wieder im Abstiegskampf. Aber: Wenn das Brummen im Schädel zu Ende ist (merke: Nicht zu oft die Hände vor das Gesicht schlagen) ist wieder volle Unterstützung für unsere Elf angesagt. Absichtlich hat keiner schlecht gespielt. Aber gutzumachen hat man beim WAC nun definitiv viel.