03/04/2026
Alfred Haidacher
Neun-Punkte-Spiel am Karsamstag
Der GAK empfängt Blau-Weiß Linz in Liebenau
Sechs-Punkte-Spiele kennt man, die gehören zum Standardphrasenrepertoire jedes Fußballfans, Sportreporters, Trainers, Spielers, you name it. Am letzten Fasttag vor Ostern wartet auf den GAK allerdings ein echtes Neun-Punkte-Spiel. Genau diese Punkteanzahl würde die Roten im Fall eines Sieges vom dann natürlich immer noch Letzten Blau-Weiß Linz trennen.
Besser als mit zwei Siegen in zwei Spielen kann man auch nicht in ein Play-Off starten. Blöd nur, dass man als GAK-Fan derart an Enttäuschungen gewöhnt ist, dass man bei zwei guten Spielen hintereinander nahezu pflichtgemäß misstrauisch wird und den papierformgemäß unerwarteten, aber irgendwo halt leider doch zu erwartenden Absturz – soll man sagen: gar nicht erwarten kann? Dann fühlt man sich netzweit wieder bestätigt, dass a) die Mannschaft insgesamt zu schwach, b) der Trainer unfähig, c) wichtige Spieler verletzt-, nicht fit genug-, nicht in Form- oder sonst was seien – und was dem gelernten Kassandrarufer halt im Allgemeinen so einfällt. Aber hat man nicht auch als GAK-Fan das Recht auf ein bisschen Glück – und sei es nur die Freude über die letzten beiden guten Spiele, die auch ergebnismäßig nichts zu wünschen übriggelassen haben. Genossen haben wir’s, solange es dauerte, und falls es hoffentlich noch andauert, dann genießen wir eben weiter.
Also versuchen wir doch, alle Kirchen in den dazugehörigen Dörfern zu lassen und nehmen demütig zur Kenntnis, dass sich ein Spiel erst nach seinem Ende analysieren lässt. Alles andere ist Kaffeesudleserei. Spielanalyse ist halt eher eine historische Wissenschaft.
Der Gegner,
der uns erwartet, fühlt sich allerdings (und das nicht zu Unrecht) im Aufwind. Auf der Linzer Homepage lesen wir: „Der 3:2-Derbysieg gegen die SV Ried brachte nicht nur drei enorm wichtige Punkte, sondern zeigte auch, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. […] Nun gilt es, an die Leistung aus dem Derby anzuknüpfen: mutig nach vorne zu spielen, Chancen konsequent zu nutzen und defensiv über die gesamte Spielzeit konzentriert zu agieren. Die Länderspielpause wurde darüber hinaus genutzt, um gezielt an Details zu arbeiten und mit frischer Energie in die entscheidende Phase der Saison zu starten. Genau diese Qualitäten wird es auch in Graz brauchen.“
Das klingt zumindest vorsichtig optimistisch, und wie man die Blau-Weißen kennt, verstehen sie es, nicht nur spielerisch manche Qualitäten abzurufen, sondern auch einen Gegner zu attackieren und sich geradezu in ihn zu verbeißen. Dass das der GAK mittlerweile auch kann, ist den Linzern klar. So lesen wir weiter: „Vor allem die kompakte Spielweise sowie die konsequente Chancenverwertung machen die Grazer zu einem unangenehmen Gegner.“ Die Linzer können bis auf Goiginger und Anderson auf ihren gesamten Kader zurückgreifen, während
unsere Mannschaft
doch einige Verletzte zu beklagen hat. Zum Langzeitverletzten Jánó gesellt sich mit Oberleitner ein weiterer Ausfall bis Saisonende. Laut Pressekonferenz sind derzeit auch noch Schiestl, Paumgartner und Prenqui blessiert – natürlich auch Kapitän Maderner, der gegen die Linzer aber ohnehin gesperrt ist. Von den Nationalspielern ist Olesen laut Trainer Ferdinand Feldhofer fit zurückgekehrt. Bei Italiano wartet man ab, wie er den Jetlag verkraftet und wird dann im Einvernehmen mit dem Spieler entscheiden. Tobias Koch hat auf der Pressekonferenz klar auf einen Sieg gehofft, den er sich, der am Montag Geburtstag hat, als Geschenk wünschen würde. Und er lässt auch keinen Zweifel daran, dass er ebenso wie die Mannschaft bereit sei, dafür auch den nötigen Punch auf den Platz zu bringen. Na, möge die Übung gelingen! Auch der Trainer meint, man brauche jetzt auch „nicht Gründe dafür finden, warum wir nicht gewinnen.“ Allerdings warnt er davor, nicht „zu euphorisch“ zu werden. Dann folgt das übliche: „wir müssen unsere Leistung abrufen“, oder, dass wir „nicht träumen brauchen, wir wissen, was uns erwartet“ und all das. Was soll man aber auch anderes sagen. Tatsache scheint zu sein, dass man, ohne auf irgendeine Euphorie-Bremse zu treten, alles daransetzt, die Beine und Köpfe am Boden zu halten.
Und was sagen die anderen:
Nach der Pressekonferenz scheint klar, dass einer der größten Sorgen, die seit Tagen im ASB artikuliert wurde, nämlich, dass Christian Lichtenberger wegen seines Nasenbeinbruches nicht spielen können wird, der Boden entzogen wurde. Kein Wort von einem verletzten, zuletzt in großer Form agierenden Lichtenberger. Auch Italianos Jetlag wird diskutiert, und da scheint es ja eher Probleme zu geben. Ansonsten gab’s zu erwartende Kabbeleien zwischen den „autochthonen“ ASB-lern und mit diskutierenden (naja, eher schimpfenden) Blauweißen. Auch Schiedsrichter Hameter, der in den letzten von ihm gepfiffenen GAK-Spielen viel dazu getan hat, meine grundsätzlich gute Meinung von ihm einer harten Prüfung zu unterziehen, wird, wie der VAR (auch nicht zu Unrecht, wie alle wissen – und das betrifft ja nicht nur den GAK) sagen wir es vorsichtig „in Zweifel gezogen“. User „1 9 0 2 Graz“ zitiert User „kreiner“ mit: „Ha -Ha – Hameter/ Ebner VAR. Meßner, einer der größten GAK Hasser, ist VAR Supervisor.“ Und kommentiert darunter: „also min. 1-2 krasse Fehlentscheidungen vorprogrammiert?“ User „Heinz Bösel“ sieht’s entspannter: „Linz steht unter Zugzwang und darf am Samstag nicht verlieren. Diese Vorzeichen sowie die damit einhergehende Spielanlage auf beiden Seiten kommen unserer Mannschaft sicherlich zugute. Da sollten auch diverse VAR-Verschwörungen keine Rolle spielen. Ich blicke daher positiv auf das Spiel am Samstag und freue mich auf das eine oder andere Getränk bei sonnigem Wetter.“ Aber auch ein großes Herz zeigt sich in einzelnen Beiträgen. So bittet man, die Linzer Spendenaktion für die Familie der mit 20 Jahren verunglückten Alexandra Wimmer ebenfalls zu unterstützen, was an dieser Stelle nicht nur für eine gute Idee gehalten wird. Sollte so etwas durchgeführt werden, müssen wir schon auch unserer Großzügigkeit zeigen, weil es Dinge gibt, die wichtiger sind als sportliche Rivalitäten.
Der Karsamstag
ist natürlich ein richtiger Scheißtermin – man verzeihe die zutreffende Wortwahl. Dennoch sollten wir unsere Mannschaft durch unser Kommen unterstützen. Man packe die ganze Familie ein, führe sie ins Stadion und trage durch gute Stimmung und lauten Support dazu bei, dass unsere Mannschaft weiter durchstarten kann. Und vielleicht kann man, angesichts einer Tragödie wie jener, die die Familie von Alexandra Wimmer getroffen hat, auch ein wenig die geschmacklosen oft leider viel zu lauten Angriffe auf sportliche Erzfeinde für einmal unterlassen. Denn, natürlich nur, weil noch Fastenzeit ist, überlasse ich das Schlusswort dem heiligen Johannes vom Kreuz, der meinte: „Besser ist es, die Zunge zu beherrschen, als zu fasten bei Wasser und Brot.“ Tun wir das und genießen unser Bier (oder was immer ihr bevorzugt).