5. April 2026
Alfred Haidacher
Zweiter! Na gut, Achter…
GAK macht sich das Leben beim verdienten 2:1 gegen Blau-Weiß Linz selbst schwer
Es ist passiert! Das Sechs-Punkte-Spiel ist zum Neun-Punkte-Spiel geworden, man hat den Tabellenletzten aus Linz nun neun Zähler hinter sich gelassen, und die Mannschaft hat sich somit vorläufig den zweiten Platz im unteren Play-Off erkämpft, nur einen Punkt hinter Ried – und könnte sich nach oben orientieren. Darf man von einem verdienten Sieg sprechen? Darf man nicht nur, man muss es. Wieso sich die Mannschaft durch völlig unerklärliche Passivität am Anfang der zweiten Hälfte gegen eine bis dahin klar unterlegene Linzer Mannschaft beinahe die Butter vom Brot hätte nehmen lassen, harrt allerdings der Erklärung. Tatsache ist, dass man nach der ersten Halbzeit von einer verdienten, wenn auch zu niedrig ausgefallenen Führung sprechen durfte, man nach dem Schlusspfiff allerdings, wenn auch erleichtert, zur alten Deppenphrase „Guat is gangen, nix is gschehn“ greifen musste.
Erste Hälfte, ein rotes Fest
Ja, da gab es erste drei oder vier Minuten, in denen die Blauweißen andeuteten, wie sie gegen den GAK vorzugehen gedachten, nämlich mit – leider ungeahndeten – gestreckten Beinen (gleich in der ersten Minute) und hartem Gegenpressing. Der GAK machte aber schnell klar, dass die eigene Mannschaft ein Spiel zu spielen gedachte, das Fußball heißt, ein Spiel, in dem es nicht auf Treten und Rempeln ankommt, sondern darauf, dass der Ball gut läuft, ja, so gut, dass man sich, gegen einen gezwungenermaßen defensiver werdenden Gegner, zunehmend das herausspielte, was der im Allgemeinen verwendete Jargon „Chance um Chance“ nennt. Allein zwischen neunter und etwa zwanzigster Minute konnte man locker fünf Chancen verzeichnen, von denen mindestens zwei zu Toren hätten führen können, ja müssen. Nach dreißig Minuten zeigte, wie man mir berichtet hat, die Sky-Übertragung einen Ballbesitz von 82 zu 18 Prozent zugunsten der Roten an. Und das hat man auch auf dem Platz so empfunden. Freilich bewiesen auch die Linzer, die irgendwann um die dreißigste Minute nach einem nicht gegebenen Foul gegen unsere Mannschaft einigermaßen gefährlich werden konnte – naja, über die Mittellinie kamen sie und zeigten, dass sie auch kicken können, nur schaute nicht viel heraus. Ja, da folgten dann einige Minuten, die klarmachten, dass der Gegner nur einen kleinen Halberfolg brauchte, um bissig nachzusetzen, aber die roten Recken um den Ruhepol Olesen, hielten sich souverän. Dass es einen Elfmeter brauchte, um ein Tor zu erzielen, war wohl der einzige Wermutstropfen (eigentlich ein viel zu starkes Wort bei dieser souveränen spielerischen Leistung) in der ersten Halbzeit. Der VAR musste bei einem Linzer Handspiel im Strafraum eingreifen, das von Harakate, der es, man darf wohl sagen, „herausgeholt“ hatte, aber sofort moniert worden war. Schiedsrichter Hameter wurde an den Monitor gebeten und musste nicht lange nachsehen, was da passiert war. Elfer! Und Alexander Hofleitner verwandelte in der 40. Minute souverän. Hochverdient! Man spielte das Zwischenergebnis in die Pause, ohne nochmals wirklich gefährlich werden zu wollen.
Zu passiv geht’s weiter
Entsprechend fröhlich gings in der Pause zu, wo man sich nur fragte, wieso man nicht 3:0 vorne lag, allzu fahrlässig war man mit mindestens zwei weiteren Hochkarätern umgegangen (ja, ich weiß, das sind Zehntelsekundenentscheidungen, ein Zentimeter am Ball können 50 Zentimeter drüber sein, eh klar). War aber allen egal. Zuviel Freude hatte die erste Hälfte gemacht.
Umso unverständlicher, warum die Mannschaft auf den Platz zurückkam, um den Eindruck zu vermitteln, man versuche nun, das 1:0 irgendwie über die letzten drei Minuten zu spielen. Blöderweise handelte es sich bei der zur Verfügung stehenden Zeit aber noch um mindestens 45 Minuten. Man stand hinten, hielt sich in der eigenen Hälfte auf, ließ die Blauweißen aus Linz kommen, die zur Pause bei einem Doppeltausch den guten alten Torgaranten Ronivaldo eingetauscht hatten. Und dann geschah, was immer geschieht, wenn eine überlegene Mannschaft freiwillig das Heft aus der Hand gibt und – wie mal wieder die Phrase lautet – „um ein Tor bettelt“. Das Tor fiel – und durch wen: Ronivaldo. Ein Stanglpass von Pirkl kommt zum siebenunddreißigjährigen Torjäger und der vollendet.
Warum eine klar bessere Mannschaft freiwillig auf klar schlechter macht, ist eine Frage, die zu den großen ungelösten Menschheitsrätseln zu zählen ist. Klar, man muss nicht unbedingt das Spiel machen, man muss aber auch nicht dem Gegner jeden nur erdenklichen Freiraum einräumen. Dass Blau-Weiß Linz nach der Pause auf Teufel komm raus stürmen würde, darf man voraussehen. Dass man dem mit hinten stehen und zu spät in die Zweikämpfe kommen nicht begegnen kann, sollte klar sein. Ja, die Roten vermittelten sogar den Eindruck, man wäre überrascht von der Agilität der Linzer.
Schwamm drüber
Man will nicht glauben, dass die Abwarter- und Zuschauerei eine Coaching-Entscheidung war, denn falls das so gewesen sein sollte, kann man nur hoffen, dass die Spieler da eine Anweisung falsch verstanden haben (oder nicht so wie geplant umsetzen konnten). Jedenfalls dauerte es nur ein paar Schockminuten, bis sich die Mannschaft besann und beschloss, wieder ihre Qualitäten zu zeigen. Und – hast du’s nicht gesehen – war man wieder die klar bessere Mannschaft am Platz. Das führte wozu? Zum verdienten Siegestor, das Harakate in der 79. Minute mit tollem Schuss (leicht abgefälscht von Maranda) erzielt. Hier muss man auch die großartige Ball-An- und Mitnahme durch Klassen herausheben, vom folgenden lupenreinen Assist von Grosse ganz zu schweigen. Aber nicht nur Klassen hat seine Qualitäten wieder einmal unter Beweis gestellt. Auch die ganze Mannschaft, angefangen bei Goalie Stolz über den vielleicht müden, aber hochaktiven Italiano, die wunderbaren Owusu und Pines, den rackernden Lichtenberger, Vraa, Olesen, Schriebl und die schon erwähnten Stürmer Harakate und Hofleitner haben ebenso wie die eingewechselten Satin, Frieser, Koch, Grosse und Kreuzriegler gezeigt, dass, mit kleinen Abstrichen (na, sagen wir, mit winzigen Anstrichen) eine reife Mannschaft herangewachsen ist, die nicht nur nicht aufgibt, sondern tatsächlich Fußball spielt (oder SPIELT), so dass es große Freude macht, ihr beim Arbeiten zuzuschauen.
Und das heißt?
Man ist Zweiter im unteren Play-Off (also derzeit Achter der Bundesliga), mit der Möglichkeit und der großen Chance, sich nach oben zu orientieren. Dass man vor lauter Euphorie in den nächsten Spielen zurücksteckt, ist nicht anzunehmen. Dass man, falls man einmal zu sehr zurückgesteckt hat und dadurch in Bedrängnis geraten ist, die Fähigkeit hat, nachzulegen, wieder ins Spiel zu finden, erneut das Kommando zu übernehmen und siegreich vom Platz zu gehen, hat das heutige Spiel bewiesen – was der positive Aspekt des kleinen Schwächeanfalls zu Beginn der zweiten Halbzeit ist. Hat man sich selbst auch für ein paar Minuten ein verfrühtes Osterei gelegt, so darf man sich doch darüber freuen, dass man selbst eines mehr in petto hatte.
Kleine Blödheit(en)
Die Dummheit des Tages gehört der fleischgewordenen GAK-Lebensversicherung Harakate, der in der Freude über sein Tor jubelnd zu den Blau-Weiß-Fans gelaufen ist und sich dafür die gelbe Karte abgeholt hat (hat sich später entschuldigt, er ist ja ein Guter). Dass es in der recht ruppigen Schlussphase hin und wieder so aussah, als hätten die Hameter-Lamentierer (zu denen auch ich ein wenig gezählt habe) doch recht gehabt, kommt zu den kleineren Blödheiten dazu. Manche Entscheidungen wirkten unverständlich, und dass es für das grobe Foul an Koch in den Schlussminuten nicht einmal die Gelbe gab, ist gewiss kein Ruhmesblatt für den Schiedsrichter, der das Match ansonsten aber ganz gut runtergebogen hat. Und auch über den VAR dürfen wir uns nicht beklagen. Der Elfer ging in Ordnung, dafür ist der VAR ja auch da.
Große Choreo
Ja, die Gäste aus Linz haben sich Mühe gegeben, aber was unsere Kurve vor dem Ankick wieder an Kreativität und Detailreichtum gezeigt hat, hat sie als klaren Sieger der Herzen erwiesen. Aus dem riesigen Comicbild einer nächtlichen Stadt wird der Kanaldeckel buchstäblich ausgetrennt, sozusagen hochgestemmt, und die Teenage Mutant Ninja Turtles springen daraus hervor und zeigen, dass man bereit ist, den Kampf aufzunehmen.
Das war auch der Mannschaft einen Extraapplaus wert – und sie hat dann ja auch den Kampf aufgenommen und siegreich beendet.
Ein Schlusswort
- Aus dem ASB
„Wichtig, wichtig einfach nur wichtig. Ohne Spannung geht’s bei uns einfach nicht. Danke oh Du wunderschöner GAK.“
(gakfan) - Vom Heiligen Johannes vom Kreuz (aus dem Vorbericht – und weil Ostern ist)
Der schrieb über den GAK (ok – nicht über den GAK, aber geschrieben hat er’s): „O lebendige Liebesflamme, die du zart verwundest meine Seele in der tiefsten Mitte!“ - Von uns allen
„We are GAK.“