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2. April 2026

Martin Murpott

Etablieren statt ruinieren

Mit einer das Familienleben belastenden Geschwindigkeit rast die Saison 2025/2026 auf ihren Höhepunkt zu. Und während es beim anderen Grazer Klub noch um einen Betriebsausflug nach Klagenfurt geht, hat der GAK gar nicht mal so schlechte Chancen, dem Abstiegssensenmann bereits vor der letzten Runde ein Schnippchen zu schlagen. Spätestens seit dem 5:1 gegen Wattens sollte klar sein, dass diese Mannschaft zu funktionieren begonnen hat und über ein nicht zu unterschätzendes Potential verfügt. Der große Kritikpunkt daran? Das Ganze geschieht zugegebenermaßen leider erst ein wenig spät!

Die Ausbeute des GAK seit Ende der Winterpause kann sich nämlich durchaus sehen lassen: Den drei Siegen und zwei Unentschieden stehen nur zwei Niederlagen gegenüber. Damit haben wir den heurigen Punkteschnitt im Vergleich zum Herbst fast verdoppelt. Hätten wir von Anfang an so effektiv gespielt, wären wir wohl mit ziemlicher Sicherheit in die Meistergruppe gekommen. Allerdings sollten wir uns bei allem berechtigten Ärger über den in Summe vergeigten Grunddurchgang  fragen, ob dies so im Herbst überhaupt möglich gewesen wäre.

Was dagegen spricht, ist folgender Umstand: Die Kombination aus Spielern, die in den letzten Wochen eine für unsere Verhältnisse fast schon surreale Anzahl an Siegen erkämpft haben, existierte in dieser Form 2025 noch gar nicht. Stolz, Oleson und Klassen etwa waren noch gar nicht engagiert, andere nicht ausreichend integriert oder so wie Italiano längere Zeit verletzt. Als passionierter Fußballoptimist mit stets eher halbvollem denn halbleerem Bierglas vermag man durchaus, hier einen sinnvollen mittelfristigen Plan zu erkennen. Dieser sieht vor, die Kaderplanung konsequent an einem übergeordneten Spielsystem auszurichten.

Das Ganze könnte man jetzt selbstverständlich als nicht Stadtklub-adäquaten Unfug abtun, aber was wäre die Alternative? Sich irgendwelche abgehalfterten Weltstars zu kaufen, die man sich ohnehin nicht leisten kann, weil unser operatives Budget in dieser Saison gerade einmal kolportierte 10 Millionen Euro beträgt? Für einen Apfel und ein Ei gehen solche Leute auch zum glorreichen GAK nicht – selbst wenn wir noch tausendmal davon schwärmen, wie wir 2004 an der Anfield Road gegen Liverpool gewonnen haben. Selbiges gilt übrigens für den Trainer genauso! Trotz wachsenden Respekts für Ferdl Feldhofer hätte ich Xavier Hernández oder Massimiliano Allegri natürlich lieber an der Seitenlinie gesehen. Allerdings könnten wir wohl kaum genug unserer Seelen an schmierige Zuckerwasserkonzerne oder dubiose Goldminenbetreiber verkaufen, um diese Dudes überhaupt an einen Verhandlungstisch zu bekommen. Nebenbei dürfte das eher bescheidene Prestige der österreichischen Bundeliga die Sache so oder recht schwierig gestalten.

Unsere Stärke seit dem Neubeginn ist es nicht, sich auf einzelne Topkicker zu verlassen und zu hoffen, dass sie die ganze Saison über fit bleiben, da wir sonst unsere gesamte Spielanlage den Raababach hinunterspülen müssten. Unsere Stärke seit dem Neubeginn ist es vielmehr, aus relativ wenig das Maximum herauszuholen. Was wir derzeit im Gegensatz zu viel Geld definitiv haben, ist nämlich Zeit. Es wäre also es nur ratsam, sich lieber langsam in der Bundesliga zu etablieren, anstatt sich erneut zu ruinieren. Der Größenwahn-GAK von 2004 ist tot, es lebe der Stabilitätsverein von heute!

MISSION STATEMENT

Unsere Aufgabe ist es die Spiele und Vorgänge rund um unseren Grazer AK durch die Fanbrille zu kommentieren.

Diese Brille kann mal rosarot sein, manchmal grau umwölkt, aber sicher nie tiefschwarz, kuhlila oder giftgrün. 
Immer frei von Kalkül und partiellen Interessen. 

Das ist auch der Grund, warum wir mit nun in Abstimmung mit dem Verein GAK 1902 eine eigene Plattform bespielen. Der Verein ist in der Bundesliga angekommen, die Professionalisierung in allen Bereichen macht auch nicht Halt vor der Vereinskommunikation und bevor Marketing, Sponsoring und Sportpsychologie die Inhalte dieser, unserer Berichte, beeinflussen, trennen wir lieber unsere Sicht der Dinge von den offiziellen Mitteilungen und Äußerungen des Vereins.

In Frieden und gut abgestimmt. Während der Verein sich auf faktenbasierte, technische, eher neutral gehaltene Spielberichte konzentriert, fahren wir fort, mal mit Herzblut, mal mit Galle, aber mit Blutdruck und Emotion zu schreiben.

Wir bemühen uns, Liebe und Hinwendung zum GAK und zum Phänomen Fußball einfließen zu lassen, jedoch auch einmal zu sagen, was das Fanherz loswerden muss und was vielleicht nicht immer jeder an jeder Position hören möchte.

Wir freuen uns, euch weiterhin informieren, unterhalten und zum Teil auch provozieren zu dürfen – denn einer der wunderbaren Aspekte des Fußballs ist das Kaleidoskop der Wahrnehmungen, Urteile und Äußerungen zu ein und der selben Begebenheit.

WE ALL ARE GAK! Auf die Roten!