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23. August 2026

Text: Matthias Fössl / Foto: GAK 1902

SV Ried
VS
GAK 1902
|
1:0

Aber es hilft nix, man muss weitermachen

Nicht erst seit dem 0:8 in Hütteldorf und der Trennung von Ferdinand Feldhofer befindet sich der GAK irgendwo im Nirgendwo. Joachim Standfest übernimmt vorerst, der Kader ist noch nicht fertig und ein klarer roter Faden ist weder auf noch neben dem Platz erkennbar.

Ziesler und Lienhart wurden vor dem Spiel wieder mit den immer gleichen Fragen konfrontiert. Wieder gab es darauf nur ausweichende Antworten. Die Kommunikation wirkt zunehmend wie aus dem politischen Lehrbuch: kontrolliert, unverbindlich und ohne greifbare Aussage. Das ist zum Teil nachvollziehbar, schafft aber weder Nähe noch Vertrauen, sondern lässt uns mitunter sogar zweifeln, ob hinter den Kulissen tatsächlich ein klarer Plan existiert. Charisma, selbstbewusstes Auftreten oder Begeisterung für das, was hier entstehen soll, suchen wir jedenfalls vergeblich.

Ordentlicher Start, zu wenig Ertrag

Standfest brachte mit Anderson, Oberleitner, Guerti und Lichtenberger vier Neue in die Startaufstellung. Auf dem Platz war unser GAK zu Beginn bemüht und kämpferisch, beide Mannschaften tasteten sich in den regnerischen Bedingungen zunächst vorsichtig ab. In der 12. Minute die erste kalte Dusche: Nach einem Einwurf setzte sich Ried über Nasrawe durch, Steurer kam per Kopf zum Abschluss, Stankovic parierte stark.

Aber wir antworteten: In Minute 16 kam Lichtenberger nach einem hohen Ball zur bis dahin besten Möglichkeit der Partie, doch Leitner war zur Stelle und lenkte den Kopfball an die Stange. Der daraus entstehende zweite Versuch von Anderson landete in Leitners Armen. Unter anderen Umständen hätte dieser Auftritt sogar vorsichtig Hoffnung machen können. Doch vieles blieb Stückwerk.

Und genau darin liegt mittlerweile eines der größten Probleme: Man sieht beim GAK immer wieder, dass es möglich wäre. Einzelne Aktionen, einzelne Phasen, einzelne Spieler lassen erkennen, dass unser Team mehr kann. Aber daraus entsteht viel zu selten ein zusammenhängendes Bild. Es gibt zu wenig Konstanz, zu wenig Klarheit, zu wenig Selbstverständlichkeit. Und auch zu wenig Leidenschaft für unsere Farben, die wir lieben. Pässe gingen direkt auf den Mann, während der Passempfänger in den freien Raum lief. Spieler wie Owusu, die in der Vergangenheit immer wieder mit Top-Aktionen und beherztem Einschreiten aufgefallen sind, wirkten phasenweise wie ausgetauscht. Immerhin konnte die Mannschaft sich immer wieder in das letzte Drittel kombinieren, aber spätestens dort war meist Schluss, weil einfach die zündende Idee fehlte.

Wenige Zentimeter, viel Frust

In der 28. Minute bediente Klassen nach einem schönen Zug über die linke Seite scharf und flach den Fünfer, Hofleitner verpasste, vermutlich gefoult, den Ball knapp am ersten Pfosten, am zweiten stand Anderson goldrichtig und drückte ihn über die Linie. Jubel, der aber schnell verstummte. Der VAR schaltete sich ein, Schiedsrichter Pfister schaute sich die Szene selbst noch einmal an: Hofleitner soll beim Zustandekommen des Treffers im Abseits gestanden und aktiv ins Spiel eingegriffen haben. Nach wenigen Minuten die Entscheidung: kein Tor. Wenige Zentimeter entschieden gegen uns. Eine Szene, die zeigt, was möglich wäre, wenn es nur öfter und konstanter passieren würde.

Dem gegenüber stehen die Fehler, die den GAK derzeit begleiten. In Minute 43 der nächste Nackenschlag: Pines ging im eigenen Strafraum unnötig hart in einen Zweikampf und brachte Bajic zu Fall. Elfmeter für Ried. Ausgerechnet jener Pines, der gegen Lustenau noch ein Lichtblick war, wirkte in Ried mehrfach abwesend. In der ersten Minute der Nachspielzeit verwandelte Sissoko den Strafstoß souverän und provokant, jubelte direkt vor dem Grazer Sektor. Danach gab es noch hitzige Diskussionen und Gelbe Karten für Sissoko und Michorl. Der vorläufige Negativ-Höhepunkt eines Abends, an dem sich Fehler, fehlende Konsequenz und Frust immer weiter summierten.

Zäh bis zum Schluss

Die zweite Halbzeit blieb zäh. Ried musste nicht mehr viel tun und kam zu der ein oder anderen Halbchance, der GAK fand kaum Lösungen. Immerhin: Gleich zu Beginn, in Minute 53, die beste Möglichkeit zum Ausgleich. Guerti spielte zu Hofleitner, der praktisch vor dem leeren Tor stand. Er wuchtete den Ball darüber. Nach dem Spiel konnte Hofleitner darüber selbst nur den Kopf schütteln: „Die Chance, die muss rein. Ist eh klar. Das sind fünf Meter. Das ist ein Wahnsinn. Ich habe den Fuß hingehalten. Der geht drüber. Es passt irgendwie grad. Aber es hilft nix, man muss weitermachen.”

„Aber es hilft nix, man muss weitermachen.”

Vielleicht trifft kein Satz die aktuelle Situation besser. Es geht längst um mehr als einen verschossenen Ball oder die 1:0-Niederlage. Was uns fehlt, ist Verlässlichkeit von Spiel zu Spiel, von Woche zu Woche. Feldhofer ist weg, der Kader wirkt unfertig, und wer glaubt, dass gerade jemand die Fäden fest in der Hand hält, muss das derzeit vor allem hoffen.

Dass wir nach den Jahren in der Versenkung nicht von heute auf morgen um die oberen Plätze mitspielen, ist uns allen klar. Aber nach zwei Saisonen und zwei knappen Klassenerhalten wäre es an der Zeit, dass sich das wenigstens in einer erkennbaren Richtung zeigt. Sportlich wie strukturell braucht es langsam mehr als Durchhalteparolen.

 

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