Mike Markart
Die Fastenzeit ist vorbei!
Fußball ist nicht einfach, wenn man in der Qualifikationsgruppe um den Klassenerhalt zu kämpfen hat. Für den Fan schon gar nicht. Ich gehe aber auch in dieser angespannten Phase der Meisterschaft wie immer angefüllt mit Freude und Begeisterung zum Spiel. Nehme aber, weil ich die dramaturgischen Möglichkeiten des Fußballspiels und meine mit dem Alter nicht besser werdende Widerstandskraft gut einschätzen kann, einen kräftigen Schluck aus dem Fläschchen mit den Beruhigungstropfen bevor ich aus dem Auto steige und mich auf den Weg zum Stadion mache.
Wie schon gegen Ried wirkt die Abwehr von Beginn an stabil und konzentriert. Die anfängliche Feldüberlegenheit der Wolfsberger hat nur statistischen Wert. Nach einem schnellen Angriff über Italiano, Olesen und Klassen schiebt Harakaté den Ball in der 10. Minute nur knapp am gegnerischen Tor vorbei.
In Minute 25. scheint ein Angriff bereits gescheitert zu sein, da kratzt Hofleitner den Ball noch einmal von der Toroutlinie, spielt auf den am Fünfer im Getümmel lauernden Olesen. Dieser behält als einziger den Überblick und bringt den Ball zur 1:0 Führung im langen Eck unter.
In der 35. Minute hat Olesen wieder seine Beine im Spiel, legt zur Mitte und Harakaté netzt sehenswert. Zum allgemeinen Erstaunen blinkt aber auf der Anzeigentafel des Stadions bald die Info auf, dass der VAR-Check aktiv ist. Weswegen eigentlich? Jedenfalls wird der Spielstand wieder von 2:0 auf 1:0 umgeschrieben.
Wahr? Nein!
Erst später kann ich die Szene zuhause vor dem Fernseher genauer studieren: Es gibt vor dem erzielten Tor auf Höhe der Mittellinie eine kurze, kaum wahrnehmbare Berührung von Olesen und seinem Wolfsberger Gegenspieler. Keiner der beiden Spieler muss dadurch seine Laufrichtung oder seine Laufgeschwindigkeit ändern. Keiner kommt zu Fall. Meiner Meinung nach würde niemand dieses flüchtige Ereignis mit einem Freistoß bestrafen. Darum ist es ja weder dem Schiedsrichter, noch den Kärntner Spielern aufgefallen.
Ich schaue in jeder Runde auch einige Spiele der deutschen Bundesliga und der Serie A und der Serie B. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich in diesen Ligen das letzte Mal eine VAR Check Unterbrechung erlebt habe. Der Schiedsrichter entscheidet einfach. Und wirklich grobe, das Spiel mitentscheidende Fehlentscheidungen sind selten. Die Spiele gehen also flott dahin. Und die Spieler dürfen Tore bejubeln, ohne reflexartig vor dem VAR zu zittern.
In Österreich ist es anders. Genau weiß ich es in Bezug auf die GAK Spiele. Ich sehe ja alle. Wenn es Heimspiele sind, im Stadion, sonst im TV. Hier muss man nach so gut wie jedem Tor minutenlang warten, weil der VAR sofort zu prüfen beginnt.
Der GAK lässt sich im Gegensatz zu mir aber nicht aus der Ruhe bringen, spielt sein Spiel, kommt sicher in die zweite Hälfte, sticht immer wieder schnell in die Defensive der Kärntner hinein. In der Verteidigung steht die Mannschaft sicher und kann sich auch auf den starken Tormann Stolz verlassen, der mit zwei großartigen Reaktionen das GAK Tor bis zum Schlusspfiff sauber hält. Davor macht Maderner nach großartiger Harakaté Vorarbeit in der 80. Minute alles klar: Er nimmt den Ball herrlich mit, zieht in den Strafraum und schließt perfekt ins kurze Eck ab.
Die Fastenzeit ist jetzt vorbei, die Roten tragen 3 fette Punkte in die Tabelle ein.