10. Mai 2026
Wolfgang Kühnelt
Drei Kapitäne in der Wasserschlacht
In diesem Frühling gilt: Regen ist wichtig. Fußball ist wichtig. Aber beides gleichzeitig kann mühsam werden. Der Platz in Liebenau ist ob des Gewitters hart an oder über der Grenze des Bespielbaren. Gerade schnelle Leute wie Italiano oder Harakaté können ihre Stärken nicht voll ausspielen, der Ball bleibt immer wieder abrupt liegen. Und in der Verteidigung gerät man angesichts der Wassermengen hüben wie drüben wiederholt ins Schwimmen.
Wir schreiben die Runde 31 dieser Bundesliga-Saison. Es ist ein Spiel, bei dem man fast genauso oft aufs Handy blickt, um die anderen Partien im Auge zu behalten, wie man aufs Spielfeld schaut. Bereits in Minute 5 erkennt man deutlich, dass Altach die feine Klinge zu Hause gelassen hat und stattdessen auf eine rustikale Gangart setzt. Italiano kriegt einen ordentlichen Tritt, der ebenso wenig geahndet wird wie manches andere an diesem verregneten Nachmittag. In Minute 15 haben wir aber einfach nur Glück, ein Altach-Angreifer schießt Goalie Stolz aus kurzer Distanz an. Drei Minuten später zeigt Olesen, dass es bei ihm nicht mehr weiter geht. Koch kommt und übernimmt die Kapitänsbinde von Schriebl. Kurz darauf hat der immer eifrige Harakaté eine große Chance, die er nicht nutzen kann.
Out oder nicht out?
Nach einer halben Stunde schauen wir wieder aufs Handy und sehen: Der WAC ist vorne, die Blauweißen aus Linz sind hinten. In Liebenau schüttet es weiter aus Kübeln. In Minute 37 stellt sich die Frage aller Fragen: War dieser Ball nicht im Seiten-Out? Der Schiri verneint und den nachfolgenden Heber erwischt Stolz nicht mehr. 0:1 und kurz vor der Pause bekommt Italiano noch eine Altacher Hand ins Gesicht. Wird nicht geahndet, aber das hatten wir ja schon.
Für die zweite Hälfte kommt Hofleitner statt Lichtenberger. Bevor es aber losgeht, passiert erst mal nichts. Das Headset der Schiris hat den Regen nicht überstanden. Langes Warten und ein Gruppensirtaki auf den Rängen. Dann schauen wir wieder aufs Handy und sehen: Blauweiß hat ausgeglichen. Es wird unangenehm eng. Die Saison läuft vor dem geistigen Auge noch mal ab. Unnötige Tore, überraschende Siege, fragwürdige Entscheidungen, Freudentränen und Zornesröte.
Der dritte Kapitän
Und dann steht es 0:2. Ich schreibe meinem Freund W., dass ich jetzt bitte nach Hause will. Aber als aufrechter Roter macht man das natürlich nicht. Maderner und Satin kommen statt Grosse und Schriebl – und es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber: Das ist das erste Mal an diesem Abend, das mir auffällt, dass unsere Rückennummer 11 mit gespielt hat. Maderner bekommt von Koch die Kapitänsschleife. Ob ihm der Kurswechsel noch gelingen wird?
Es bleibt keine Zeit zum Nachdenken, denn nun gibt es eine Szene, die ich mir seither zigmal als Video angesehen habe. Der Altacher Goalie stürzt auf den durchbrechenden Harakaté los, der fliegt hoch durch die Luft und landet ausgesprochen unsanft. Das Ganze spielt sich an der Strafraumgrenze ab und auch nach zigmaligem Anschauen muss ich sagen: Wenn das kein Elfer samt roter Karte ist, dann weiß ich echt nicht mehr.
Der Strafstoß wird gecheckt und oh Wunder: Gar nichts gibt das Schiri-Gespann. Wenn ich es richtig gesehen habe, nimmt der Referee sogar die gelbe Karte für den Vorarlberger zurück. In Minute 82 kommt Graf statt Italiano. Zwei Zuschauer vor mir stehen auf und gehen heim. Besonders schlau war das nicht, denn jetzt geht es erst richtig los.
Zuerst schießt Satin übers Tor und dann schießt Maderner ins Tor. Vorsichtshalber wird das gecheckt – aus welchem Grund? Dafür reicht meine Phantasie nicht. Die Nachspielzeit verrinnt langsam, aber sicher. Es sind noch 120 Sekunden und Maderner schießt übers Tor. Und dann sind es vielleicht noch 60 Sekunden und Satin versenkt das Leder im Altacher Gehäuse. Nun geraten die Vorarlberger noch einmal kräftig ins Rutschen, aber es geht sich nicht mehr aus als dieses einsame traurige Pünktchen.
Das Unentschieden tut weh.
Aber was soll’s: Dann brechen wir eben den Fluch von Linz.
Am besten mit einem Kapitän, drei Punkten und Sonnenschein im Herzen.
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PS: Redaktionsintern wurde diskutiert, noch intensiver auf die Rolle des “Unparteiischen” einzugehen.
Der Autor hat darauf sehr bewusst verzichtet.
Wasserball-Foto von Massimo Finizio – CC BY-SA 2.0 it, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=282638
Fußball-Fotos © GAK 1902