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22. September 2026

Text: Martin Murpott / Fotos: RED-Aktion

GAK 1902
VS
Austria Wien
|
2:2

Nüchtern betrachtet

Hätte mich gestern beim Heimgehen noch jemand gefragt, wie ich über das 2:2 Unentschieden denke, hätte ich vermutlich wie folgt geantwortet: Der FAK sollte einfach Demut zeigen, weil er heute einen Punkt errettet hat! Nüchtern betrachtet muss man das Ganze dann vielleicht doch etwas relativieren. Wenn man nämlich den gestrigen Fußballabend, der für viele sicher doppelt berauschend war, rein statistisch betrachtet, geht das Unentschieden wohl für beide Mannschaften in Ordnung. Ähnlicher Expected-Goals-Wert bei der Austria und dem GAK (wie auch immer dieser berechnet wird). Die Wiener mit etwas mehr Ballbesitz und einer etwas höheren Passgenauigkeit, dafür der Grazer Stadtklub mit zwei Torschüssen mehr. Einzig bei den Zweikämpfen gab es einen klaren Sieger – und das waren mit 64 Prozent an gewonnenen Duellen eindeutig wir.

Auch wenn die Veilchen derzeit mit Sicherheit unter ihren Möglichkeiten spielen, war das schon ein ziemliches Statement. Beim Sieg gegen die deutlich schwächer einzuschätzenden Lustenauer wurden im Vergleich 52 Prozent der Zweikämpfe gewonnen. Beim Fiasko gegen Rapid waren es gerade einmal 37 Prozent, gegen den WAC in etwa 54 Prozent und gegen Altach bereits 55 Prozent. Scheiblehner erkennt unsere Chance also darin, dass wir so kampfbetont wir möglich in die Partien krachen. Und das macht aus mehreren Gründen Sinn: Wir sind im Mittelfeld und in der Verteidigung inzwischen spielertechnisch doch einigermaßen gut aufgestellt. Du wirst bei unseren derzeit kaderrelevanten Kickern vermutlich kein zukünftiges Jahrhunderttalent mehr finden. Dafür aber ausgereifte, bundesligaerfahrene Haudegen, die wissen, wie der Hase läuft. Wenn unsere Spieler körperlich austrainiert und taktisch gut aufeinander eingestellt sind, dann lassen die sich kein zweites Mal so dermaßen abservieren wie unlängst in Hütteldorf. Wenn du es dann noch schaffst, ihnen eine gescheite Portion Selbstvertrauen einzuimpfen, hast du plötzlich ein Match wie gestern, wo du auf Augenhöhe mit der Wiener Austria fightest.

Subjektiv betrachtet fand ich uns gegen den FAK tatsächlich feldüberlegen. Zumindest in der ersten Halbzeit! Die zwei Gegentore muss man nicht kriegen, kann man aber. Grobe Patzer in der Verteidigung waren letztendlich keine zu erkennen, sondern vielmehr vermeidbare Unachtsamkeiten. Eine traditionell „fehl in die Saison“ startende Austria Wien nutzt so etwas halt beinhart aus. Was mich persönlich im Nachhinein mehr schmerzt, ist, dass kurz vor Schluss weder Sollbauer noch Smits ihre Topchancen in den Kasten hämmern konnten. Da braucht man sich auch nicht auf ein Stürmerproblem hinausreden, denn solche Dinger sollte man völlig unabhängig von seiner tatsächlichen Feldposition machen können.

Aber apropos Stürmer: Es ist ja nicht so, dass wir gar keine haben, und einer davon scheint plötzlich aufzublühen! Von vielen von uns, mich eingeschlossen, lange belächelt, hat sich Alexander Hofleitner in den vergangenen Bundesliga-Runden zu einem der Top-Leistungsträger bei den Rotjacken entwickelt. Er bringt vorne Wirbel rein, bietet sich im Mittelfeld an und hilft hinten aus. Darüber hinaus tritt Hofleitner zunehmend abschlussstärker auf, zeigt Selbstbewusstsein und hat sich in dieser Saison inklusive ÖFB-Cup bereits fünfmal in der Torschützenliste verewigt. Deswegen will ich mich an dieser Stelle aufrichtig dafür entschuldigen, dass ich geglaubt habe, dass das mit ihm nichts mehr wird. Weiter so, Hofi – du bereitest uns derzeit richtig viel Spaß!

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